Geschichte

Die Säftelehre des Hippokrates
Der Vater der Naturheilkunde und damit auch der Medizin ist Hippokrates, der wahrscheinlich 460 v. Chr. auf der Insel Kos in Griechenland geboren wurde.
Vor ihm waren die Ärzte der Meinung, Krankheiten seien göttliche Willkür.
Hippokrates hingegen war der Meinung, der Mensch sei ein Teil des Weltalls, der Natur und damit beeinflusst von Wind, Wetter, Wasser und Nahrung. Er entsteht aus Samenflüssigkeit und dem Blut der Frau, sozusagen aus „Säften“. Darum spricht man auch von der Säftelehre, später nennt man sie Humoralpatholgie. Diese Säfte, die im Menschen in Form von Blut, gelber und schwarzer Galle sowie Schleim vorkommen sind ausschlaggebend für die Gesundheit; kommen sie im richtigen Verhältnis vor, ist der Mensch gesund, ist das Verhältnis gestört, wird er krank.
Im Organismus wirkt eine natürliche Heilkraft (die Physis), die bestrebt ist, das Säftegleichgewicht aufrechtzuhalten. Sie erreicht dies durch Fieber (dadurch werden die Krankheitserreger „gekocht“) und durch Ausscheidung über den Schweiss, Auswurf, Erbrechen, Blut, Urin und Kot.
Die Aufgabe des Naturarztes ist es – immer noch nach Hippokrates – diese Vorgänge zu unterstützen und die natürlichen Heilkräfte zu steigern.
Die wichtigste Behandlungsmethode ist die Diätetik, d.h. die Lehre der richtigen Lebensführung. Ein Hauptpfeiler der Diätetik ist die richtige Ernährung, denn aus der Nahrung bilden sich die Säfte, die über Gesundheit und Erkrankung entscheiden.
 „Macht eure Heilmittel zu Nahrungsmitteln.
Macht eure Nahrungsmittel zu Heilmitteln.“
Hippokrates
Wer allein nach diesem Grundsatz lebt, wird vor Gesundheit strotzen!Die Säftelehre des Hippokrates hatte mehr oder weniger Bestand bis ins 19. Jahrhundert. Erst damals wurde die Zelle als kleinstes Funktionselement des Organismus entdeckt und Rudolf Virchow behauptete, dass über Gesundheit oder Krankheit in den Zellen entschieden werde. Damit verliess die moderne Medizin den Grundsatz der Ganzheit und sie begann sich zu spezialisieren, bestärkt durch die revolutionären Erkenntnisse aus der Biologie, Chemie, Physik und weiteren Wissenschaftszweigen.
 Paracelsus
Paracelsus hiess mit vollem Namen Philippus Aurelius Theophrastus Bombastus von Hohenheim und wurde 1493 in Einsiedeln geboren. Er war Arzt und Schriftsteller und wanderte durch Europa, um seine Kenntnisse bei Hexen, Bauern, Handwerkern und anderen, die etwas zum Thema Heilkunde wussten, zu erweitern. Von den damaligen Ärzten, die nur in Latein schrieben und lehrten, hielt er gar nichts. Er hat sogar seinen Doktorhut und seine lateinischen Bücher verbrannt – er schrieb in seiner Muttersprache, nämlich Deutsch und galt als rotes Tuch für die damalige Wissenschaft.
Er war überzeugt mit natürlichen Arzneien, seien diese nun pflanzlicher oder mineralischer Art, gegen spezifische Krankheiten erfolgreicher zu sein als die damalige Schulmedizin, die mit übermässigem Aderlass und Klistieren mehr Schaden als Nutzen anrichtete.
Paracelsus war der Meinung, dass die Krankheitserreger, die er Samen nannte, durch die Arznei aus dem Körper geschwemmt würden. Damit stellte er eine Art Mikrobentheorie auf, die von Pasteur und Koch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestätigt wurde.
„Alles ist Gift und alles Arznei,
allein die Dosis entscheidet.“
Paracelsus
Die „moderne“ Naturheilkunde
Die heutige Naturheilkunde ist eine Erfahrungswissenschaft (empirisch) und geht auf die Säftelehre des Hippokrates und auf die Arzneimittellehre des Paracelsus zurück. Sie kann also auf einen Erfahrungsschatz von mindestens 2500 Jahren bauen. Die moderne Schulmedizin gibt es höchstens seit 100 Jahren.
Aber auch andere Naturärzte wie Hahnemann, Kneipp, Baunscheidt, Bach, Schüssler und viele mehr – in der Schweiz seien noch Pfarrer Künzle und Dr. Vogel erwähnt – haben die Naturheilkunde massgeblich beeinflusst. Sie alle waren der Meinung, im Gegensatz zur Schulmedizin, dass die Natur in ihren Heilbestrebungen nachzuahmen und zu unterstützen sei, und dass in der Natur für jede Krankheit ein Kräutlein wachse.
In der Methodenliste des EMR (Prüfungsstelle für die Krankenkassenanerkennung) werden über 200 naturheilkundliche Methoden aufgelistet. Das Spektrum der heutigen Naturheilkunde ist also sehr weit und reicht von Aderlass bis Wirbelsäulenbasisausgleich.